Von Walburga Langen-DrollRastatt – Mit einer Feierstunde und anschließendem Stehempfang würdigte die ehemalige Gewerbeschule Rastatt am Donnerstag ihre Umbenennung in Josef-Durler-Schule. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Beiträgen von Schülern der Musikschule Rastatt. "Sie haben sich um die Demokratiegeschichte Deutschlands verdient gemacht", zollte Festredner Hans Clauser dem Lehrerkollegium Anerkennung für die Wahl des neuen Namens. "Wenn es im Himmel eine Abteilung für Revolutionäre gäbe, dann wäre Josef Durler sicher dort aufgenommen wurde", begann der Mitbegründer des Fördervereins der Erinnerungsstätte für Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte im Schloss Rastatt seine mit Anekdoten und Ausflügen in die Lokalhistorie zu Zeiten Durlers gespickte Ansprache.
Clauser hob hervor, dass die badische Verfassung von 1818 eine der ersten im damaligen Deutschen Bund war
und mit der Möglichkeit von Petitionen "den Keim der Revolution bereits in sich trug".
Den Anstoß für die Namensgebung hatte Studiendirektor Ulrich Mecking gegeben, der von 1981 bis 2003 stellvertretender Schulleiter der damaligen Gewerbeschule war und im Rahmen der Feierstunde einen Überblick über Leben und Bedeutung Josef Durlers gab. 1806 in Hüfingen geboren, so Mecking, wurde er bereits mit knapp 20 Jahren Lehrer in Neuhausen bei Engen im Schwarzwald, wo er jedoch, wie seine Kollegen auch, nur dürftig bezahlt wurde. Als er in den 30er Jahren nach Rastatt zog, habe er seinen Lebensunterhalt zunächst mit Zeichnungsaufträgen verdient. Erst 1840 habe seine wirtschaftliche Situation eine positive Wendung genommen, als er eine Lehrerstelle an der Gewerbeschule in Rastatt erhielt, wo er bereits sieben Jahre später zum Schulleiter avancierte. Politisch, führte Mecking weiter aus, wurde Josef Durler 1849 aktiv, als er sich dem in Rastatt gegründeten "Volksverein" anschloss, der sich für die von der Nationalversammlung beschlossene Reichsverfassung und ihr Versprechen von Freiheit und Grundrechten für jedermann einsetzte. In Zeitungsartikeln habe sich Durler mutig zu seiner Gesinnung bekannt, was ihn am Ende der Revolution sein Amt kostete. Er wurde inhaftiert, konnte jedoch fliehen. 1853 sei sein Name noch einmal auf einer Liste von badischen Flüchtlingen erschienen, die über die Schweiz nach Amerika auswandern wollten. Doch das Schiff, so heißt es, sei gesunken.
"Durler", mahnte Ulrich Mecking abschließend, "sollte uns Lehrer und unsere Schüler
wachhalten für unsere freiheitliche, demokratische Gesellschaftsordnung." Nicht nur das Wissen um das
Erreichte, sondern auch das Eintreten für die eigene Meinung sei wichtig.
"Die heutige Namensgebung ist Ausdruck dafür, dass sich die Schule mit diesem mutigen, freigeistigen
Mann, der einst die Schule leitete, gerne identifiziert", stellte Landrat
Jürgen Bäuerle in seinen Grußworten fest. Dies sei erfreulich, denn
die Jugend brauche solche Vorbilder, die "anspornen sich einzumischen und mitzureden". Der Name
"Josef Durler" sei somit keinesfalls nur schmückendes Beiwerk, sondern Leitgedanke und Programm.
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Schulleiter Gerold Wendelgaß (li.) und Ulrich Mecking (re.)
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H. Clauser
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v.l.: Landrat Jürgen Bäuerle,
Hans Clauser, Schulpräsident, Dr. Werner Schnatterbeck, Schulleiter Gerold Wendelgaß und
Ulrich Mecking jeweils mit einem Exemplar des Durler-Buches
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Fotos: Langen-Droll |