Badische Neueste Nachrichten vom 28. Oktober 2006

Gewerbeschule bekommt den Namen Josef-Durler-Schule
Festakt am 26. Oktober 2006

Von Walburga Langen-Droll

Rastatt – Mit einer Feierstunde und anschließendem Stehempfang würdigte die ehemalige Gewerbeschule Rastatt am Donnerstag ihre Umbenennung in Josef-Durler-Schule. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Beiträgen von Schülern der Musikschule Rastatt.

"Sie haben sich um die Demokratiegeschichte Deutschlands verdient gemacht", zollte Festredner Hans Clauser dem Lehrerkollegium Anerkennung für die Wahl des neuen Namens. "Wenn es im Himmel eine Abteilung für Revolutionäre gäbe, dann wäre Josef Durler sicher dort aufgenommen wurde", begann der Mitbegründer des Fördervereins der Erinnerungsstätte für Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte im Schloss Rastatt seine mit Anekdoten und Ausflügen in die Lokalhistorie zu Zeiten Durlers gespickte Ansprache.

Clauser hob hervor, dass die badische Verfassung von 1818 eine der ersten im damaligen Deutschen Bund war und mit der Möglichkeit von Petitionen "den Keim der Revolution bereits in sich trug".
25 Jahre später war es denn auch Durler, der wie viele andere Verfechter der Demokratie – unter ihnen auch Schüler der damaligen Gewerbeschule Rastatt - durch die Straßen der Stadt zog , um das Jubiläum der badischen Verfassung zu feiern.
Auch auf die Rolle der Lehrer im revolutionsschwangeren Baden ging Clauser, selbst ehemaliger Realschulleiter in Karlsruhe, ein. Sie gründeten 1846 in Achern den Pestalozziverein und konnten sich so in zahlreichen Generalversammlungen für die Verbesserung der Lehrerausbildung und –besoldung einsetzen, was schließlich 1848 im gesamtdeutschen Lehrerkongress in Frankfurt mündete. Clauser: "Nach rund 150 Jahren kommt die Ehrung Durlers zwar spät, aber sie kommt und das ist wichtig."

Den Anstoß für die Namensgebung hatte Studiendirektor Ulrich Mecking gegeben, der von 1981 bis 2003 stellvertretender Schulleiter der damaligen Gewerbeschule war und im Rahmen der Feierstunde einen Überblick über Leben und Bedeutung Josef Durlers gab. 1806 in Hüfingen geboren, so Mecking, wurde er bereits mit knapp 20 Jahren Lehrer in Neuhausen bei Engen im Schwarzwald, wo er jedoch, wie seine Kollegen auch, nur dürftig bezahlt wurde. Als er in den 30er Jahren nach Rastatt zog, habe er seinen Lebensunterhalt zunächst mit Zeichnungsaufträgen verdient. Erst 1840 habe seine wirtschaftliche Situation eine positive Wendung genommen, als er eine Lehrerstelle an der Gewerbeschule in Rastatt erhielt, wo er bereits sieben Jahre später zum Schulleiter avancierte.

Politisch, führte Mecking weiter aus, wurde Josef Durler 1849 aktiv, als er sich dem in Rastatt gegründeten "Volksverein" anschloss, der sich für die von der Nationalversammlung beschlossene Reichsverfassung und ihr Versprechen von Freiheit und Grundrechten für jedermann einsetzte. In Zeitungsartikeln habe sich Durler mutig zu seiner Gesinnung bekannt, was ihn am Ende der Revolution sein Amt kostete. Er wurde inhaftiert, konnte jedoch fliehen. 1853 sei sein Name noch einmal auf einer Liste von badischen Flüchtlingen erschienen, die über die Schweiz nach Amerika auswandern wollten. Doch das Schiff, so heißt es, sei gesunken.

"Durler", mahnte Ulrich Mecking abschließend, "sollte uns Lehrer und unsere Schüler wachhalten für unsere freiheitliche, demokratische Gesellschaftsordnung." Nicht nur das Wissen um das Erreichte, sondern auch das Eintreten für die eigene Meinung sei wichtig.
"Die Namensgebung ist ein Ausdruck der Achtung für den Namensgeber und seine Leistung, mit der wir Wünsche verbinden für das künftige Tun unserer Schule", führte Gerold Wendelgaß, Leiter der Josef-Durler-Schule Rastatt, aus. "Dieser Name soll Zeichen setzen und ein Signal sein", verlieh er seiner Hoffnung Ausdruck. In Anerkennung der umfangreichen Recherchen und vieler Stunden intensiver Arbeit durch Ulrich Mecking überreichte er diesem das erste der neuen Durler-Bücher. Es beinhaltet neben Lithografien Durlers, denen Mecking aktuelle Ansichten gegenübergestellt hat, allerlei Dokumente aus dem Leben des Freiheitskämpfers sowie amtliche Schreiben jener Zeit. Auch Landrat Jürgen Bäuerle, Festredner Clauser, Schulpräsident Dr. Werner Schnatterbeck und Bürgermeister Arne Pfirrmann erhielten ein ledergebundenes Festexemplar.

"Die heutige Namensgebung ist Ausdruck dafür, dass sich die Schule mit diesem mutigen, freigeistigen Mann, der einst die Schule leitete, gerne identifiziert", stellte Landrat Jürgen Bäuerle in seinen Grußworten fest. Dies sei erfreulich, denn die Jugend brauche solche Vorbilder, die "anspornen sich einzumischen und mitzureden". Der Name "Josef Durler" sei somit keinesfalls nur schmückendes Beiwerk, sondern Leitgedanke und Programm.
"Die Schule hat nicht nur ein Profil, sondern bekommt mit Josef-Durler auch ein Gesicht", brachte Schulpräsident Dr. Werner Schnatterbeck in seinen Grußworten seine Gedanken auf den Punkt. Durler stehe für das Streben nach Freiheit, an den Lehrern sei es nun, den Schülern die Kompetenz zur Partizipation am Morgen zu vermitteln.

  Bild Schulleiter Gerold Wendelgaß (li.) und Ulrich Mecking (re.)
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Bild H. Clauser (Bild größer)

Bild v.l.: Landrat Jürgen Bäuerle, Hans Clauser, Schulpräsident, Dr. Werner Schnatterbeck, Schulleiter Gerold Wendelgaß und Ulrich Mecking jeweils mit einem Exemplar des Durler-Buches (Bild größer)
Fotos: Langen-Droll


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