Christian Welzer (3.v.l.) mit seinen Mitschülern aus allen Herren Ländern und seinem Lehrer (1.v.r.) in Rom.. (Foto: Welzer)
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Frage: Herr Welzer, fühlten Sie sich durch Ihren Schulunterricht gut auf den Sprachaufenthalt vorbereitet?
Christian Welzer: In der römischen Schule hatte ich in den ersten Tagen das Problem, dass ich den Lehrer manchmal nicht verstand, weil er so schnell sprach. Den Lehrstoff habe ich jedoch trotzdem gut mitbekommen. Die Grammatik stellte kein Problem dar, da ich diese auch zum größten Teil schon am Gymnasium gelernt hatte. Mit der Zeit habe ich mich dann an die Schnelligkeit gewöhnt.
Frage: Also keinerlei Probleme?
Welzer: Doch! Mein Hauptproblem bestand darin, dass mein Italienisch- Wortschatz einfach zu klein war. Aus diesem Grund habe ich nach der Schule immer noch ein paar Vokabeln nachgeschaut und zudem an den Wochenenden Vokabeln thematisch gelernt. Ja, und die letzte Woche war förmlich überschattet vom Examen. Es war, wie ich finde, sehr schwer, vor allem wegen der mündlichen Prüfung. Ich bin von Natur aus nicht gerade spontan und zum Thema Fußball fehlten mir auch viele Vokabeln. Das Ergebnis der Prüfung liegt mir zwar noch nicht vor, aber wenn ich sie bestanden habe, erhalte ich damit das Europäische Sprachenzertifikat B1.
Frage: Blieb denn bei all dem Lernen noch Zeit Land und Leute kennen zu lernen?
Welzer: Klar! Nach der Schule bin ich meist mit Klassenkameraden in die Innenstadt gefahren und habe dort natürlich auch versucht, das Gelernte anzuwenden. Die Besichtigungstouren durch die Stadt waren immer sehr interessant. 350 Bilder habe ich geschossen! Meist endeten diese Trips sehr spät, so dass ich erst gegen Mitternacht nach Hause kam und dann noch meine Hausaufgaben zu erledigen hatte.
Frage: Hatten Sie Gelegenheit, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen?
Welzer: Ja, denn ich war privat in einer Familie untergebracht. Die Wohnung lag nur wenige Kilometer vom Petersdom entfernt. Ich habe mich oft mit dem Sohn über italienische Gewohnheiten und über Politik unterhalten. Dabei habe ich auch immer neue Wörter gelernt.
Frage: Gab es einen "Kulturschock"?
Welzer: Na ja, so würde ich das nicht nennen. Aber ich bin durchaus in einige "Fettnäpfchen" getreten, zum Beispiel, als ich einmal mit dem Bus in die Stadt fahren wollte und mich wunderte, warum es nirgends Fahrpläne gab. Also habe ich eine Frau gefragt. Die fing jedoch gleich an zu lachen und meinte, ich sei doch bestimmt Deutscher. Es gebe einfach keine Fahrpläne, meine Frage sei typisch deutsch.
Frage: Welches Fazit ziehen Sie?
Welzer: Die vier Wochen waren ein voller Erfolg. Am meisten erstaunt mich, dass ich am Ende meines Aufenthalts meine Vermieterin, aber auch andere Italiener nahezu problemlos verstehen konnte.