Josef-Durler-Schule Rastatt

"assistant-teacher"
Daniel Parsons (22) aus Bristol/Großbritannien arbeitet seit September als "assistant teacher" an der Josef-Durler-Schule Rastatt.
[vgl. Badische Neueste Nachrichten vom 24.12.2009]
Daniel Parsons (22) aus Bristol/Großbritannien arbeitet seit September als "assistant teacher" an der Josef-Durler-Schule Rastatt. Im Sommer diesen Jahres absolvierte er sein Examen (BA) in Germanistik und europäische Studien an der Lancaster University. Walburga Langen-Droll fragte ihn nach seinen Eindrücken und Erfahrungen in Deutschland.

Frage: Herr Parsons, ist Lehrer ihr Traumberuf?

Daniel Parsons: Nein, ich könnte nie Lehrer werden, denn ich kann keine Kritik üben. Ich habe immer das Bedürfnis, nett und höflich sein. Aber es macht mir Spaß zu unterrichten, denn ich habe ja nicht den Druck und die Bürokratie wie die regulären Lehrer. Ich kann mir die Themen heraussuchen, die mich auch interessieren. Nach einer gelungenen Unterrichtsstunde fühle ich mich immer richtig gut. Den Schülern etwas beizubringen ist viel befriedigender, als eine gute Note in der Uni geschrieben zu haben.

Frage: Wenn Sie nicht Lehrer werden möchten, wie stellen Sie sich dann Ihre berufliche Zukunft vor?

Daniel Parsons: Zunächst würde ich gerne an der TU Dresden meine Masterarbeit schreiben – mit dem Titel "Die antifaschistische Bewegung in Deutschland". Ich finde das akademische Leben sehr interessant. Aber erst mal muss ich einen Doktorvater finden. Später möchte ich vielleicht als Dolmetscher oder Übersetzer arbeiten, auf jeden Fall etwas mit der deutschen Sprache machen.

Frage: Deutsch ist in englischsprachigen Ländern keine beliebte Fremdsprache. Wie kommt es, dass Sie sich entschieden haben, Deutsch zu studieren?

Daniel Parsons: Ich musste in der Schule Französisch lernen und hatte zusätzlich noch die Wahl zwischen Spanisch, Italienisch und Deutsch. Da ich nicht noch eine weitere romanische Sprache lernen wollte, entschied ich mich für Deutsch.

Frage: Und was ist Ihre Motivation, als "assistant teacher" zu arbeiten?

Daniel Parsons: Zum einen sehe ich mich als Botschafter meines Heimatlandes und hoffe, dass ich den Menschen hier, vor allem den Schülern, ein positives Bild von Großbritannien vermittle. Zum anderen empfinde ich einen Auslandsaufenthalt als Herausforderung und ich liebe Herausforderungen!

Frage: Ist dies Ihr erster Aufenthalt in Deutschland?

Daniel Parsons: Nein, ich war von September 2007 bis Mai 2008 schon einmal als "assistant teacher" in Deutschland, und zwar an einer Realschule in Barmstedt in der Nähe von Hamburg. Im Rahmen meines Studiums war es Pflicht, ein Jahr im Ausland zu verbringen.

Frage: Und dort hat es Ihnen so gut gefallen, dass Sie ein weiteres Mal nach Deutschland gehen wollten?

Daniel Parsons: Beim ersten Mal war ich ja an einer Realschule. Diesmal wollte ich gerne mit älteren Schülern arbeiten. Zum anderen war ich vor zwei Jahren kurz in Baden-Württemberg und das hat mir so gut gefallen, dass ich unbedingt noch einmal hierher wollte. Man hört ja oft, dass es Unterschiede gibt zwischen Nord- und Süddeutschland...

Frage: Und?

Daniel Parsons: Tja, das ist schwierig zu beantworten! Ich möchte ja keine Klischees bedienen. Aber ich glaube schon, dass es leichter ist mit den Süddeutschen warm zu werden. Sie sind lockerer. Die Kollegen hier an der Schule bieten mir zum Beispiel viel schneller das "Du" an, da fühle mich mich einfach besser integriert. Vielleicht sind die Menschen hier ja wegen des Wetters freundlicher?!

Frage: Was gefällt Ihnen an Deutschland?

Daniel Parsons: Die Deutschen sind sehr gastfreundlich und man ist als Ausländer etwas besonderes. Das ist ein schönes Gefühl. Die Menschen sind offener und direkter als die Briten. So kann man Probleme besser konkret ansprechen und versuchen zu lösen. Bei uns in England gibt es einige Tabuthemen wie zum Beispiel Alkohol und Sexualität, da sind wir viel biederer. Und was ich auch ganz toll finde, ist, dass man sich hier tatsächlich in Europa fühlt: In Karlsruhe fahren Züge nach Frankreich und in die Schweiz ab, das wirkt so international. In England ist man wirklich auf einer Insel.

Frage: Es gibt also nichts, was Sie bei uns stört?

Daniel Parsons: Doch, das wir "the German stare" nennen! Wenn ich in Rastatt durch die Fußgängerzone laufe, fühle ich mich immer verunsichert, weil die Menschen mich so anstarren. Wenn man in Großbritannien mal versehentlich jemand Fremden in die Augen guckt, schaut man schnell wieder weg.

Frage: Werden Sie über Weihnachten in Deutschland bleiben?

Daniel Parsons: Ja, ich werde am 1. Weihnachtstag nach Norddeutschland fahren und Freunde besuchen.

Frage: Das heißt, Sie sind an Heilig Abend ganz allein?

Daniel Parsons: Ja, aber das macht mir nicht viel aus. Bei uns in England spielt der 24. Dezember keine wichtige Rolle.

Frage: Und Ihre Eltern kommen Sie nicht besuchen?

Daniel Parsons: Doch, aber erst im Mai nächsten Jahres. Meine Eltern reisen gerne und Baden-Württemberg ist perfekt dafür. Da werden wir mal nach Straßburg und Basel fahren, aber natürlich auch nach Karlsruhe und Baden-Baden.

Text und Foto: Langen-Droll