Ute Kirchberger: Mein Vater hatte als Huf- und Wagenschmied einen eigenen metall-verarbeitenden Betrieb. In Kleinbetrieben arbeitet oft die ganze Familie mit. So haben wir Kinder in der Werkstatt geholfen. Über Umwege habe auch ich zum metallverarbeitenden Beruf gefunden. Es war gar nicht so einfach, einen Betrieb zu finden, der eine junge Frau ausbilden wollte. Aber ich habe schließlich die Maschinenbautechnikerin gemacht und die Meisterprüfung als Maschinenbaumechanikerin abgelegt. Meine eigenen Erfahrungen bei der Lehrstellensuche und in der Lehre haben mich dann dazu gebracht, als technische Lehrerin junge Menschen in der Metallverarbeitung auszubilden und dabei vor allem auch Mädchen an Technik heranzuführen. Mädchen und junge Frauen, die sich für Technik interessieren, sollen zeigen können: "Das kann ich auch!"
Frage: Sie haben im Rahmen der Mädchenwochen 2009 des Landkreises Rastatt einen Workshop durchgeführt mit dem Titel "Löten, Schneiden, Feilen – eine Kupferrose entsteht". Was lernen junge Mädchen bei Ihnen in der Josef-Durler-Schule Rastatt?
Ute Kirchberger: Bei meinen Werkstatt-Kursen zu den Mädchenwochen oder zum jährlichen Girls Day, dem Mädchenzukunftstag im April, betreue ich fünf bis sechs Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren. Diese bekommen Kupferblech für die Blüte und die Blätter der Rose und Eisenschweiß-draht für den Rosenstiel, eine Beschreibung des Arbeitsvorgangs und eine Zeichnung im Maßstab 1:1. Dann legen die Mädchen unter meiner Aufsicht mit Material und Werkzeug los: Sie scheren und feilen und können am Ende stolz ein selbstgefertigtes Produkt, ihre Kupferrose eben, mit nach Hause tragen.
Frage: Welches Ziel setzen sich eigentlich die Mädchenwochen?
Ute Kirchberger: In diesem Jahr feiert der Arbeitskreis Mädchenarbeit im Landkreis Rastatt sein 15jähriges Bestehen. Dazu hat es eine Ausstellung im Landratsamt gegeben, die Landrat Jürgen Bäuerle eröffnet hat. Das zeigt: Die Tätigkeit des Arbeitskreises ist erfolgreich und anerkannt. Der Arbeitskreis ist ein Zusammenschluss von Institutionen und Frauen, die sich für die Belange von Mädchen und jungen Frauen einsetzen, also etwa den Jugendhäusern und Jugendbüros in der Region. Ich arbeite darin mit, weil es schon immer mein Anliegen war, Mädchen zum aktiven Umgang mit Technik anzuregen: Sie sollen wissen: "Das können wir auch!"
Frage: Wann haben Mädchen denn wieder die Gelegenheit, in die Metallwerkstatt der Josef-Durler-Schule hineinzuschnuppern?
Ute Kirchberger: Na, in jedem Fall beim nächsten Girls Day am 22. April 2010. Ich möchte dazu gezielt Schülerinnen aus den Haupt- und Realschulen der Umgebung ansprechen: Sie sollen entdecken können, dass die Berufsfachschul- und Berufsschulklassen oder das Technische Gymnasium eine wunderbare Bildungsstätte für sie sind. Die jungen Mädchen sollen spüren: Das ist eine Schule, da sind wir willkommen. Und bis zum nächsten großen Mädchenzukunftstag haben wir an der Josef-Durler-Schule in Rastatt noch viele Girls Days: Denn auch in meinem ganz normalen Unterricht in der Metallwerkstatt betreue ich Mädchen, die die Josef-Durler-Schule mit Erfolg besuchen: Ich weiß, sie können’s!