Josef-Durler-Schule Rastatt

Wege aus dem Teufelskreis
Gewaltprävention an der Josef-Durler-Schule
[vgl. Badische Neueste Nachrichten 07.04.2011]
Rastatt (eva) Aufmerksam lauschen knapp sechzig Jungen und Mädchen aus den Berufsvorbereitungs- und Berufseingangsklassen der Anne-Frank- und der Josef-Durler-Schule auf einen einzelnen, der spricht und dazu kein Mikro braucht. Die, die mucksmäuschenstill auf den Turnhallenbänken sitzen, sind üblicherweise nicht so gern bereit zuzuhören und streben auch kaum danach, als Traumschwiegersöhne oder –töchter zu gelten. Doch Michael Stahl findet den Ton, der sein Publikum in Bann zieht.

Nach Rastatt eingeladen hat den Bodyguard, Selbstverteidigungslehrer und Trainer für Gewaltprävention der Jugendberufshelfer der Josef-Durler-Schule, Harald Hauns. Finanziert wurde die Aktion durch den Bildungsträger B.I.S.A.M., der sich im Stadt- und Landkreis Rastatt sowie im Stadtkreis Baden-Baden der Förderung von Menschen in schwierigen Lebenslagen widmet, mit Unterstützung des Europäischen Sozialfonds. Hauns will damit Schüler aktivieren, die mit üblichem Stoff im Schulalltag nur schwer erreichbar sind und das Unterrichten in diesen Klassen erschweren.

Gelernt haben die Jungen und Mädchen zwischen 15 und 18 viel in diesen Vormittagsstunden: Stahl fängt die jungen Menschen zunächst mit seiner eigenen Lebensgeschichte ein, geht dann ganz ungeniert davon aus, dass die, die vor ihm sitzen, nicht zu denen gehören, die mit einem Silberlöffel im Mund geboren wurden, und spricht davon, was es heißt, ein richtiger Mann oder eine richtige Frau zu sein. Nein, meint er und bringt damit den Saal zum Schmunzeln, Aschenputtel habe sich, nachdem sie ihren Schuh verloren habe, nicht noch schnell eine Beruhigungszigarette angezündet. Und richtige Helden wie Robin Hood würden Schwächeren helfen und sie nicht als Mobbingopfer wählen.

Stahls Trainingsprogramm erinnert dabei ein wenig an eine frühneuzeitliche Bußpredigt: Da die Jungen und Mädchen an diesem Tag keinen allzu großen Bewegungsdrang zeigen und zunächst auch lieber zuhören, als wild Fragen zu stellen, spricht er über eine Stunde vor ihnen. Er will damit nicht nur ihre Ohren, sondern, wie er sagt, auch ihre Herzen erreichen. Darauf zielt auch die anschließende Trainingsphase für drei Klassen der Josef-Durler-Schule.

Der Selbstverteidigungslehrer erklärt den Schülern die Verletzlichkeit der Menschen und bringt ihnen schnelles Ausweichen und den raschen Griff an Stellen bei, die den anderen nicht verletzen, aber außer Gefecht setzen. Die Schüler sind beeindruckt von einem, der als Body Guard auch schon die deutsche Nationalmannschaft begleitet hat, und fragen ihn, ob er im Einsatz eine Waffe trage: Nein, meint er, die Waffe sei er selbst.

Am wirkungsvollsten sei immer das eigene Gesicht – und zwar eines, das ein Lächeln zeige, das andere über Freundlichkeit und nicht über Gewalt erreichen wolle. Dies sei ein erster Schritt aus einem Teufelskreis des Tretens und Getretenwerdens. Die Schüler äußerten sich nach dem Training beeindruckt. Cool sei es gewesen, meinen sie – und haben auch nicht vergessen, was ihnen der Trainer empfohlen hat: Sie sollten sich bei denen entschuldigen, die sie geärgert haben. Sie haben es getan.

Text und Fotos: Kormann