Josef-Durler-Schule Rastatt

Modellprojekt: Führerschein mit Siebzehn
Caritas Rastatt und Projekt "B17 ? begleitet zum Ziel"
Bild "Der Führerschein mit Siebzehn" wird zur Herausforderung.
Der Caritasverband Rastatt gibt mit dem Projekt ?B17 ? begleitet zum Ziel? Jugendlichen eine besondere Chance.

Ein neues Modellprojekt zur Sucht-, Gewalt- und Verkehrsprävention hat mit Beginn dieses Schuljahres der Jugendmigrationsdienst des Rastatter Caritasverbandes in der Josef-Durler- Schule gestartet.

Das Projekt "B17 ? begleitet zum Ziel" ist dabei bundesweit einmalig und gibt Jugendlichen, die kaum oder gar keine Perspektiven haben, ein neues Ziel für das laufende Schuljahr: den Führerschein.

Einrichtungen aus den unterschiedlichen Lebensbereichen der Jugendlichen sind hierbei wichtige Kooperationspartner im Projekt:

Angeboten wurde die Teilnahme an dem Projekt in der Josef-Durler-Schule im Schuljahr 2008/2009, die bis Ende August diesen Jahres das 17. Lebensjahr vollendet haben.

Mit ihnen und ihren Eltern wurde ein Vertrag abgeschlossen, der den Teilnehmern einen Zuschuss von 1.000 Euro zum Führerschein garantiert, wenn sie sich an alle Vertragspunkte halten.
Und diese sind für die Projektteilnehmer nicht ohne! So haben sie sich unter anderem verpflichtet, im laufenden Schuljahr regelmäßig am Schulunterricht teilzunehmen. Unentschuldigte Fehlzeiten werden hier ebenso wenig geduldet wie bei den 25 wöchentlichen Modulen des "B17-Projektes". Zudem dürfen die Teilnehmer im laufenden Schuljahr polizeilich und sozial nicht auffällig werden, müssen Drogentests zustimmen und einen Schulabschluss vorlegen können. Auch die Eltern verpflichten sich zur Mitarbeit beim Projekt, müssen an Elternabenden teilnehmen und die Restfinanzierung des Führerscheins in Höhe von rund 500 bis 800 Euro übernehmen.

Führerschein als "Energieträger" zu Veränderungen

"Der Führerschein ist das Medium, um mit den Teilnehmern eine Motivation für neue Perspektiven aufzubauen und sie in einem engen Bezug zu begleiten, damit sie über sich hinauswachsen können", berichtet Peter Rettig vom Caritasverband Rastatt und fügt hinzu, dass über diesen Bezug und die Einbindung des Elternhauses die Ziele, einen besseren Schulabschluss, veränderte soziale Verhaltensweisen, Stärkung der Persönlichkeit, einen Ausbildungsplatz und eine individuelle realistische Perspektive erreicht werden sollen. Durch das begleitete Fahren nach dem Erhalt des Führerscheins, kann der Teilnehmer zudem noch ein Jahr nach dem Ende des Projekts punktuell begleitet werden. "Der Erwerb des Führerscheins ist der Energieträger für die Jugendlichen, etwas zu verändern", so beschreibt Rettig die Botschaft der Konzeption des Projektes.

Bereits im Vorfeld des Projektstarts wurden Problemfelder evaluiert, die die angesprochene Zielgruppe in den BVJ und BEJ-Klassen betreffen. "Hier waren im letzten Jahr 40 Prozent der Schüler ohne Schulabschluss und knapp 30 Prozent wurden polizeilich auffällig", berichtet Peter Rettig, der zudem weiß, dass die Hälfte der betroffenen Schüler oder deren Eltern einen Migrationshintergrund haben. Um diese sonst schwer zu erreichenden Schüler für ein solch umfangreiches Projekt wie das des "B17" zu gewinnen, hatte man mit dem Zuschuss zum PKW-Führerschein einen besonderen Anreiz geschaffen. Von 48 möglichen Kandidaten, die für das Projekt in Frage kamen, unterschrieben am Ende 16 den Vertrag mit dem Caritasverband. Die Gründe dafür, dass rund zwei Drittel nicht beim Projekt mitmachen, sind vielfältig. Peter Rettig: "Einige Schüler haben schon ein Fahrverbot, haben schon begonnen mit der Fahrschule, gehen den Vertrag nicht ein, weil sie die Rahmenbedingungen nicht einhalten können und sich nicht in die Karten schauen lassen wollen." Zudem würde es vielen schwer fallen, die Rahmenbedingungen einzuhalten, weil sie derzeit beispielsweise bereits Haftstrafen haben, regelmäßig zu spät kommen oder ganz fehlen. Der Herausforderung, an sich zu arbeiten, gingen einige mögliche Kandidaten aus dem Weg. Auch fällt es einigen Eltern schwer, die Restfinanzierung zu leisten.

Nicht nur für den Führerschein, auch Lernen fürs Leben In den bisherigen Modulen wurden verschiedene Themenbereiche wie Fremdund Eigenwahrnehmung, Gruppenverhalten, gruppendynamische Lösungsansätze, Vertrauen beim Indoorklettern, Suchtverhalten und Gewalt bearbeitet. Im Frühjahr geht es für die Teilnehmer zudem auf ein Hüttenwochenende in den Schwarzwald, um länger an verschiedene Themen arbeiten zu können. Parallel dazu beginnt nun der theoretische Unterricht in den Fahrschulen. Die bisherigen Erfahrungen im Modellprojekt sind sehr vielfältig, berichtet Peter Rettig: "Die Module müssen an die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer angepasst werden, denn die gemeinsame Zeit in den 25 Modulen ist zu kurz, um alle Themen abschließend zu bearbeiten." Zudem sei eine enge Einbindung des Elternhauses durch Hausbesuche und Absprachen notwendig.

Das Projekt wird durch die Landesstiftung Baden-Württemberg im Rahmen der Gewalt- und Verkehrsunfallprävention und den Diözesan-Caritasverband Freiburg gefördert. Das Netzwerk der Kooperationspartner ist sich einig, dass die voraussichtlichen Projektkosten von rund 25.000 Euro gut angelegt sind, denn die Folgekosten z.B. bei einer Jugendstrafe von rund 400 Euro am Tag betragen ein Vielfaches der Präventionskosten im Projekt. Von den 16 gestarteten Schülern sind derweil noch zwölf dabei, das große Ziel zu erreichen. Zwei Teilnehmer schieden wegen körperlichen Auseinandersetzungen aus, einer bereicherte sich an dem Eigentum von anderen und einer hat verspätet eine Ausbildungsstelle gefunden.

Wie schwer es den Jugendlichen fällt, sich an die Vereinbarungen zu halten, zeigt die Tatsache, dass vier Teilnehmer schon eine Verwarnung in Form einer "gelben Karte" kassiert haben. Ihnen droht der Ausschluss, weil sie in verschiedenen Aktionen versucht haben, die Vereinbarungen zu umgehen. Durch freiwilligen Dienst an einem Samstag in der Wärmestube für Wohnungslose beim Rastatter Caritasverband wollen sie jetzt versuchen, das Projekt trotzdem zu Ende zu führen. Denn der große Anreiz winkt weiterhin: ein Zuschuss von 1.000 Euro zum Führerschein.

Damit dieser im Übrigen auch genau hierfür genutzt wird, erhält den Betrag die jeweilige Fahrschule direkt überwiesen.

Autoren:
Peter Rettig, Caritasverband Rastatt,
Stephan Bäuerle, Journalist und Caritasmitarbeiter

Quelle: news / caritas-mitteilungen / 1-2009 S. 23